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Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten

Austritt aus dem Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten

Wir stehen weiterhin hinter der Forderung: „Schließung der B5“, auch haben die Personen, die von der B5 und Umfeld angegriffen werden, unsere Solidarität.

Aber diese Forderung „ Schließung der B5“ ist, wie sich immer wieder zeigt, innerhalb des Bündnisses nicht konsensfähig und dafür gibt es auch einen Grund: man möchte immer noch Teil der Linken bleiben und in sie hinein mobilisieren, man will keinen abschrecken.
Jüngstes Resultat dieser vom Grundsatz her verfehlten Politik ist die Distanzierung des Bündnisses vom sogenannten „Flaschenwurf“. Statt sich darauf zu konzentrieren, was der einzige Sinn und Zweck der Gründung dieses Bündnisses war, nämlich die Denunziation und Ausgrenzung von Antisemiten, die sich der Linken zurechnen (und, wie sich zeigt, auch von Teilen des Bündnisses weiterhin der Linken zugerechnet werden), macht man sich Sorgen um das „Ansehen“ des Bündnisses innerhalb dieser Linken oder gar in der öffentlichen Meinung. Die Presse wird aber ihre Meinung, dass diese Auseinandersetzung nichts weiter sei als ein Familienstreit innerhalb der Linken, gerade aufgrund dieser Distanzierung, kaum ändern – beweist doch die Politik dieses Bündnisses jedes Mal aufs Neue, dass es sich objektiv um nichts anderes handelt. Und auch innerhalb der Linken dürfte die Distanzierung ihren Zweck verfehlen – wie sich deutlich an einem der Gäste in der Sendung „Nachmittagsmagazin
für subversive Unternehmungen“ im FSK am 31.5.2010 zeigte, der nichts von der Distanzierung gehört hatte und zu der Quintessenz kam, Schläger gäbe es auf beiden Seiten und durch Reden würde man schon die Missverständnisse regeln.

Angetreten, einen als falsch erkannten Konsens aufzubrechen, verwandelt sich dieses Bündnis in einen Verein mit einem eigenen positiv bestimmten, linken Konsens: dem einer Gemeinschaft, der ‚Anständigkeit’ all seiner Mitglieder das höchste Anliegen ist. Dieses Bündnis führt mal wieder somit nur im Kleinen vor, was Prinzip jeder „großen“ linken Politik ist: der Öffentlichkeit zu beweisen, dass man der „böse Bube“ nicht ist, für den man gern gehalten wird. Ein Ziel, das, wie die linke Politik immer wieder bewiesen hat, erst dann erreicht werden wird, wenn man tatsächlich auf jede Kritik am herrschenden Konsens verzichtet.

Die naive Hoffnung, die wir im Oktober hatten, dass nach der Filmverhinderung die Hamburger Restlinke eine eindeutige Haltung zum Antisemitismus bezieht, zerplatzte jedenfalls schon im Vorfeld zur Demo wie eine Seifenblase. Die meisten verschanzten sich hinter ihren sogenannten Erlebnissen mit den Antideutschen, um keine Position zu Israel haben zu müssen und gingen lieber ein stillschweigendes Bündnis mit der B5 ein, was die Schläger gestärkt hat, wie auf der Abschlusskundgebung durch die Transparente sichtbar wurde. Genau diese Stärkung erfahren sie eben auch durch diese Distanzierung von den „Flaschenwerfern“.

Warum, so stellt sich uns die Frage, soll man sich mit der Hamburger Linken überhaupt noch befassen, da man doch weiß, dass sie sich seit den 90iger Jahren nicht weiter entwickelt hat, wie sich exemplarisch zeigt an Zitaten aus dem nicht gehaltenen Redebeitrag der Gruppe 170:
„Die Diskussion über Israel hat auch die logische und notwendige Voraussetzung, Kritik an der Politik des Staates Israel zuzulassen. Das heißt: Kritik an den aggressiven Anteilen der israelischen Politik des Staates Israel nicht reflexhaft mit der stereotypen Anklage des Antisemitismus zu begegnen.“……
„Wir wollen keine, und damit meinen wir keine Nationalfahnen sehen. Die Nation ist für uns keine politisch legitime Struktur: keine Nation.“……
Die Antifaschistinnen und Antifaschisten, die 2004 auf unserer Demonstration in Barmbek keine Nationalfahnen zuließen, sind nicht eines Geistes mit Antisemiten, wegen derer wir heute hier auf der Straße stehen.“……

Natürlich werden Menschen aus der Linken immer wieder zu einer eindeutigen Position zu Israel gelangen, aber dazu brauchen sie kein Bündnis, das sich jeder eindeutigen Position entzieht, nur um in kein Fettnäpfchen zu treten. Man sollte eben von linken Antisemiten nicht so sprechen, als ob diese sich von den übrigen Antisemiten unterschieden. Der Begriff ‚linke Antisemiten’ ist verharmlosend, man unterstellt damit, dass bei diesem Linken noch Aufklärung möglich ist. Doch auch sie wollen, dass der „Kriegstreiber Israel“ verschwindet, auch ihnen geht es darum, die Judenvernichtung zu vollenden – es ist also verfehlt, sie von anderen Nazis prinzipiell abzugrenzen.

234 Bomber in mondheller Nacht über Lübeck

Harris´ erster Erfolg als Beitrag zum Sieg über Deutschland

Während Aufmärsche von Neonazis zum Gedenken an die deutschen Opfer alliierter Luftangriffe gemeinhin für Empörung in breiten Kreisen der Gesellschaft sorgen, ist doch -rund um den Jahrestag der Bombardierung von Städten wie Dresden und Lübeck- die Rede von den Deutschen als Opfern des Zweiten Weltkrieges in den zivilgesellschaftlichen Trauerritualen allgegenwärtig. Ausgeblendet bleibt dabei, in welchem Umfang die Strategie der Zerstörung deutscher Städte einen entscheidenden Beitrag zur Niederlage Deutschlands im zweiten Weltkrieg geleistet hat. Entsprechende Hinweise ergaben sich bereits unmittelbar nach Kriegsende in den Verhörprotokollen verantwortlicher NS-Militärs:

„Frage: In welchem Maße wurden die militärischen Operationen durch die Luftangriffe beeinträchtigt?
Antwort: (…) Während der Soldat vorher glaubte, dass er durch den Kampf an der Front seine Heimat, seine Frau und seine Kinder beschützte, wurde dieser Faktor völlig eliminiert und durch die Erkenntnis ersetzt: ‚Ich kann so viel durchhalten, wie ich will, aber meine Frau und meine Kinder gehen trotzdem vor die Hunde.‘
Frage: Hat sich das auf seine Kampffähigkeit an der Front ausgewirkt?
Antwort: Ganz gewiss, das ließ sich aus vielen Frontberichten erkennen. Zum Beispiel gab es da eine Division aus Hamburg. Plötzlich traf 1943 die Meldung von den schweren Angriffen ein und sorgte für große Unruhe.
Frage: Wie kam diese Sorge bei den Truppen zum Ausdruck?
Antwort: Durch einen nachlassenden Widerstandswillen. (…) Parallel dazu gab es Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Rüstungsarbeiter.“
(Generaloberst Alfred Jodl, in: Richard Overy, Verhöre. Die NS-Elite in den Händen der Alliierten 1945, S:274 u.277f)

Der Referent Martin Blumentritt, der sich bereits ausgiebig mit den Mythen um die Bombardierung Dresdens befasst hat, wird in seinem Referat auf die spezifischen Aspekte des alliierten Angriffs auf Lübeck eingehen und diesen in den historischen Kontext einordnen.

Sa. 27.03.2010
20.00 Uhr
Otto-Passarge-Saal (Große Burgstr. 51)

Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten

Liebe Bahamas Redaktion,

wir hätten von der Redaktion eine konstruktive Kritik erwartet, die auch angebracht ist, an diesem Konglomerat, was sich hinter dem „Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten“ verbirgt, und keine Brandrede, wo auch noch Fakten schlechtweg verkehrt sind. Es ist noch um zu ärgerlicher, da wir wissen, daß sie der Redaktion bekannt sind, dass sich alle geweigert hätten, die sich am 25.10. vor dem Kino befanden, die Polizei zu rufen, von Einzelnen wurde sie gerufen , auch in dem Fall, wo jemand nach 25. 10. von einem Nazi aus der B5 angriffen wurde, ist eine Anzeige erfolgt, aber man lässt es einfach unter den Tisch fallen, da es nicht in Euer vorgefertigtes Bild paßt, was ihr von der Hamburger Linken habt.

Zu kritisieren ist, daß die Veranstalter, die Gruppe Kritikmaximierung und die Betreiber des B-movies, am 25. 10. nicht die Polizei geholt haben, um das Zeigen des Filmes „Warum Israel“ durchzusetzen. Sie möchten weiter im linken Sumpf schwimmen, begeben sich damit in Opferrolle der Antisemiten, statt die Polizei zu holen, denn sie ist noch immer das größere Feindbild als die (Links)Nazis aus der B5, soweit hat es die Linke noch nicht gebracht ein pragmatisches Verhältnis zur Polizei zu entwickeln.

Ihr schreibt: „So wurden nicht erst die Besucher von Lanzmanns Film Warum Israel am 25. Oktober am Betreten des Kinos gehindert und auch geschlagen. Wer als Freund Israels der antisemitischen Kiezmiliz auffällt und auch noch in St. Pauli wohnt, dem kann es geschehen, dass er beobachtet, verfolgt, gestellt und zusammengeschlagen wird. Das geht seit spätestens dem Frühjahr 2004…. so, und jeder weiß dies“. Wenn man kritisiert, sollte man bei den Tatsachen bleiben, denn bereits 2002 gab es die Auseinandersetzung im FSK mit der B5. Auch Ihr habt mit der Demo nicht den Erfolg gehabt, eine endgültige Schießung der B5 zu erwirken. Während Ihr schon wieder im sicheren Kiez Kreuzberg ward, wurden in Hamburg Leute bedroht.

Recht geben wir Euch, daß die Nazis aus der B5 nicht anders behandelt werden dürfen als jeder andere Nazi. Dies wäre die Aufgabe der Antifa. Es wird still schweigend geduldet, weil man die B5 noch irgendwie für links hält.

Auch jetzt konnte die Forderung „Schießung der B5“ nicht durchgesetzt werden, da dieser Zusammenschluß ein reines Zweckbündnis ist und die einzige Gemeinsamkeit darin besteht den Film zu zeigen.
Da wir nicht so selbstherrlich sind wie die Bahamas Redaktion und annehmen würden, was sie uns indirekt empfiehlt, dass wir etwas erreichen würden, wenn wir mit vielleicht 100 Leuten vor der B5 stehen würden und lauthals unsere Forderung „ Schließung der B5“ skandieren, gehen wir den pragmatische Kompromiss mit dem Bündnis ein.

Wenn es nicht gerade der Film „Warum Israel“ gewesen wäre, sondern ein xbeliebiger anderer sehenswerter Film, einer, an dem die Nazi der B5 Anstoß genommen hätten und der Vorfall, daß jemand auf offener Strasse zusammengeschlagen wird, so hättet Ihr kaum Notiz davon genommen, es hätte auch kein Bündnis gegeben. Es ist nur ein zivilisatorischer Mindeststandart, der durchgesetzt werden muß. Wenn es am 13.12.09 wieder so eine Pleite gibt, wie am 25. 10., dann machen wir uns zu Opfern derjenigen, die das antisemitische Ticket gewählt haben. Das sind für uns Gründe genug, um das Bündnis mit zu tragen.
Nur weil wir zivilisatorische Mindeststandarte verteidigen und nicht größenwahnsinnig sind, haben wir unsere Israelsolidarität aufgegeben?
Das möchte uns bitte die Redaktion mal erklären.

Da es aber der Film „Warum Israel“ ist, ist es notwendig, daß man den linken Antisemitismus bekämpft. Der Aufruf des Bündnisses wurde immer aufgeweichter, dies wurde von euch zu Recht kritisiert, aber es wäre angenehmer, wenn ihr die Kritik in sachlicher, nicht aber in beleidigender Weise vorgetragen hättet.

Auch wir kritisieren die Erklärungen der Veranstalter, die Gruppe Kritikmaximierung und das B-movie. Beide Erklärungen wenden sich in empörter Weise gegen die Zensur durch die benachbarte Kiezmiliz des B-movies. In der Erklärung der Gruppe Kritikmaximierung taucht nur Israel im Zusammenhang mit der B5 auf, „Der rasende Hass auf Israel lässt bei den selbsterklärten Linken aus einem Vorderhaus in der Hamburger Brigittenstraße offensichtlich alle Sicherungen durchbrennen“, ansonsten findet man in beiden Erklärungen weder ihre Haltung zu Israel noch ein Wort zum Begriff des Antisemitismus.
Ihre Solidarität zu Israel reicht noch nicht mal zu einem Lippenbekenntnis. In wie weit es auf die anderen Gruppen und Einzelpersonen im Bündnis zutrifft, wäre zu diesem Zeitpunkt Spekulation oder Hellseherei.

Ein letzter Punkt, Ihr schreibt: „Eine Antwort, als dringender Appell an unsere Freunde sei vorausgeschickt: Unterschreibt diesen Hamburger Aufruf nicht, beziehungsweise zieht Eure leichtfertig gegebene Unterschrift öffentlich zurück!“
Da wir unter anderen damit gemeint sind, wollen wir auch darauf reagieren. Wir taugen nicht zu Jasagern und auch nicht zu bibeltreuen Bahamaslesern. Dies wäre purste Ideologie, aber das muß man Ideologiekritiker jawohl nicht sagen.

Antideutsche Gruppe Hamburg