234 Bomber in mondheller Nacht über Lübeck

Harris´ erster Erfolg als Beitrag zum Sieg über Deutschland

Während Aufmärsche von Neonazis zum Gedenken an die deutschen Opfer alliierter Luftangriffe gemeinhin für Empörung in breiten Kreisen der Gesellschaft sorgen, ist doch -rund um den Jahrestag der Bombardierung von Städten wie Dresden und Lübeck- die Rede von den Deutschen als Opfern des Zweiten Weltkrieges in den zivilgesellschaftlichen Trauerritualen allgegenwärtig. Ausgeblendet bleibt dabei, in welchem Umfang die Strategie der Zerstörung deutscher Städte einen entscheidenden Beitrag zur Niederlage Deutschlands im zweiten Weltkrieg geleistet hat. Entsprechende Hinweise ergaben sich bereits unmittelbar nach Kriegsende in den Verhörprotokollen verantwortlicher NS-Militärs:

„Frage: In welchem Maße wurden die militärischen Operationen durch die Luftangriffe beeinträchtigt?
Antwort: (…) Während der Soldat vorher glaubte, dass er durch den Kampf an der Front seine Heimat, seine Frau und seine Kinder beschützte, wurde dieser Faktor völlig eliminiert und durch die Erkenntnis ersetzt: ‚Ich kann so viel durchhalten, wie ich will, aber meine Frau und meine Kinder gehen trotzdem vor die Hunde.‘
Frage: Hat sich das auf seine Kampffähigkeit an der Front ausgewirkt?
Antwort: Ganz gewiss, das ließ sich aus vielen Frontberichten erkennen. Zum Beispiel gab es da eine Division aus Hamburg. Plötzlich traf 1943 die Meldung von den schweren Angriffen ein und sorgte für große Unruhe.
Frage: Wie kam diese Sorge bei den Truppen zum Ausdruck?
Antwort: Durch einen nachlassenden Widerstandswillen. (…) Parallel dazu gab es Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Rüstungsarbeiter.“
(Generaloberst Alfred Jodl, in: Richard Overy, Verhöre. Die NS-Elite in den Händen der Alliierten 1945, S:274 u.277f)

Der Referent Martin Blumentritt, der sich bereits ausgiebig mit den Mythen um die Bombardierung Dresdens befasst hat, wird in seinem Referat auf die spezifischen Aspekte des alliierten Angriffs auf Lübeck eingehen und diesen in den historischen Kontext einordnen.

Sa. 27.03.2010
20.00 Uhr
Otto-Passarge-Saal (Große Burgstr. 51)